aus: Beatrix Friedl (2025): Playback Theater als Beitrag zur Entwicklung der sozial-emotionalen Intelligenz von Kindern und Jugendlichen
Das US-amerikanische Ehepaar Jonathan Fox, Ethnologe und Psychodramatiker, und Jo Salas, Musikerin, etablierte in den 1970er Jahren Playback Theater in New York. Playback Theater verbindet Elemente des Improvisationstheaters, des mündlichen Geschichtenerzählens und der sozialen Interaktion. […]
Playback-Theater – eine Definition
Die Methode des Playback Theaters basiert auf der Idee der Narration und Repräsentation. Zuschauer:innen erzählen ihre persönlichen Geschichten und die Schauspielenden erwecken diese Geschichten unmittelbar auf der Bühne zum Leben. In einer klassischen Playback Theateraufführung wird das Publikum eingeladen, persönliche Erlebnisse zu teilen. Diese werden von den Schauspieler:innen und der Musik spontan und facettenreich „zurückgespielt“, daher auch der Name „Playback Theater“ (Fox, 1996, S. 4f).
Playback Theater versteht sich als Dienst am Publikum, indem den Erzähler:innen eine Reflexion ihrer ganz persönlichen Geschichte angeboten wird. Diese wird vom Playback-Ensemble in einer ästhetisch verdichteten Form interpretiert. Bei dieser Art der Darbietung entsteht eine spontane Inszenierung, die durch stark ritualisierte Elemente unterstützt wird. […] Durch seine Ausrichtung auf die Bedürfnisse und Anliegen des Publikums würdigt das Playback Theater die individuellen Erfahrungen jedes/jeder Einzelnen (Salas, 1999, S. 29f.).
Ursprung und Geschichte des Playback Theaters
Im Jahr 1974 entwickelten Jonathan Fox und Jo Salas die Idee des Playback Theaters. Ausgehend von Fox‘ universitären Studien mündlicher Epen wusste er, dass Geschichten vorliterarischen Gesellschaften nicht nur zur Unterhaltung dienten, ebenso wurden durch die Erzählungen historisches Stammeswissen und moralische Werte an die Gemeinschaft überliefert. Fox‘ Beschäftigung mit der nichtschriftlichen Erzählweise – beginnend mit Homer, über die Gesänge der mittelalterlichen Barden bis hin zu den kroatischen Sängern, die erstaunlich lange Geschichten rezitieren konnten – führte zu dem Entschluss, eine neue Theaterform zu kreieren (Fox, 1996, S. 13ff.).

Zusammenfassung
Playback Theater, entwickelt von Jonathan Fox und Jo Salas in den 1970er Jahren, ist eine improvisatorische, publikumszentrierte Form, die mündliches Erzählen, Improvisation, Musik und soziale Interaktion verbindet. Die Methode arbeitet mit ritualisierten Formen, klaren Rollen (Conductor, Ensemble, Musiker:in, Erzähler:in) und speziellen Spielformen (z. B. Fluid Sculptures, Pairs, Szenen) und zielt darauf ab, die „Essenz“ persönlicher Geschichten ästhetisch und empathisch zurückzuspielen. Fox’ Theorie der narrativen Retikulation — das gleichwertige Zusammenspiel von Geschichte, Atmosphäre, Spontaneität und Leitung — erklärt, wie Resonanz, Identifikation und gemeinschaftliche Sinnstiftung entstehen; Musik und nonverbale Signale verstärken diesen Prozess. Playback verlangt Spontaneität, Intuition und qualifizierte Leitung, ist primär performativ angelegt und birgt deshalb großes Potenzial für den pädagogischen, sozialen und therapeutischen Kontext, ohne jedoch die prozessanalytische Rückbettung des Psychodramas zu ersetzen.
Als Spielerin bin ich Mitglied der Gruppe Die Playbackerei.
In meinen Workshopangeboten setze ich gerne Elemente aus dem Playback Theater ein.