Sabine Aydt

Internationale Focusing Konferenz Wien 2026

„Sensing Forward“ – 100 Jahre Eugene T. Gendlin

Von 3. bis 7. Juni 2026 findet im Europahaus Wien die internationale Focusing-Konferenz „Sensing Forward“ zum 100. Geburtstag des Philosophen und Psychologen Eugene T. Gendlin (1926–2017) statt. Rund 400 Teilnehmer:innen aus mehr als 30 Ländern werden erwartet. Eröffnet wird die Veranstaltung von Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler.

Die Konferenz würdigt das Werk eines Denkers, der Philosophie, Psychologie und praktische Erfahrung auf ungewöhnliche Weise miteinander verbunden hat. Eugene T. Gendlin entwickelte nicht nur ein umfangreiches philosophisches Werk über die Entstehung von Bedeutung aus dem menschlichen Erleben, sondern auch eine weltweit praktizierte Methode der Selbstwahrnehmung: Focusing.

Diese Praxis ermöglicht es, eine besondere Form der Aufmerksamkeit auf das implizite Körperwissen zu richten – jenes noch unausgesprochene Erleben, aus dem neue Einsichten, Entscheidungen oder kreative Schritte entstehen können. Heute wird Focusing in vielen Bereichen angewendet, darunter Psychotherapie, Coaching, Bildung, Kunst, Konfliktlösung und Entwicklung von Gemeinschaft.

Die internationale Konferenz bringt Wissenschaftler:innen, Therapeut:innen, Künstler:innen und Praktiker:innen aus zahlreichen Ländern zusammen. In Workshops, Vorträgen und Dialogformaten wird erkundet, wie Gendlins Ansatz in unterschiedlichen Feldern wirksam werden kann – von persönlicher Entwicklung über kreative Prozesse bis hin zu gesellschaftlichen Dialogen und Zukunftsfragen.

Der Titel der Konferenz, „Sensing Forward“, greift einen zentralen Gedanken Gendlins auf: Neue Schritte entstehen nicht allein durch Analyse, sondern durch das Wahrnehmen eines noch unklaren, aber spürbaren nächsten Schrittes. Gerade in Zeiten globaler Herausforderungen gewinnt diese Form des Denkens und Entscheidens neue Bedeutung.

Dass diese internationale Konferenz ausgerechnet in Wien stattfindet, verleiht dem Jubiläum eine besondere historische Dimension: Hier wurde Gendlin 1926 geboren, bevor seine Familie 1938 vor der nationalsozialistischen Verfolgung fliehen musste. Eugene Gendlins Sohn Gerry wird bei der Konferenz anwesend sein.

Die Veranstaltung bietet eine seltene Gelegenheit, das Werk eines international einflussreichen Denkers in seiner Geburtsstadt neu zu entdecken und seine Bedeutung für Gegenwart und Zukunft zu diskutieren.

Weitere Informationen und Programm:
https://focusing.org/event/international-focusing-conference-vienna-2026

Informationen zum Live-Streaming: https://focusing.org/more/livestreaming-vienna-international-focusing-conference

Themengruppe/Interest Group Sabine Aydt

Wir sind Menschen in Situationen

Gene Gendlin wurde 1926 in Wien geboren und musste 1938 als Jude vor der NS-Herrschaft fliehen. Heute begegnen wir uns an eben diesem Ort. Wie kreuzt seine persönliche Geschichte und unsere kollektive Vergangenheit mit der Gegenwart? Welche Spuren von Wien, Totalitarismus, Flucht und Neubeginn leben in seinem Werk weiter? Diese Gruppe erkundet, wie sich Focusing über die persönliche Anwendung hinaus als Praxis kultivieren lässt, die gesellschaftlich relevant ist, Verbindung schafft und Wandlungsprozesse fördert – in einer Zeit, die erneut nach menschlicher Präsenz und Bewusstsein für Beziehungen ruft.

We are Human Beings in Situations

Gene Gendlin was born in Vienna in 1926 and, as a Jew, had to flee Nazi rule in 1938. Today, we gather in this very place. How do his personal story and our collective history cross with the present moment? What traces of Vienna, totalitarianism, flight, and new beginnings live on in his work? This group explores how Focusing can be cultivated beyond personal application as a practice that is socially relevant, creates connections, and promotes processes of change—in a time that once again calls for human presence and awareness of relationships.